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#Brexit-Britain, 10: Remainers & Leavers

Eine Gruppe von Remainers hat ein „Brexitometer“ an der Promenade der walisischen Küstenstadt Aberystwyth aufgestellt: Das ist ein Flipchart mit grünen Punkten, die man in der Kategorie seiner Wahl aufkleben darf:

– EU verlassen mit Deal

– EU verlassen auf Boris Johnsons Weise

– Neues Referendum

– Artikel 50 reaktivieren und in der EU bleiben

Die meisten Aufkleber findet man in der letzten Kategorie. Ich darf mitmachen, obwohl ich nicht walisisch bin, ja nicht einmal britisch, sondern deutsch-europäisch! Darf ich auch mehrere Punkte aufkleben? Nein, das wäre Betrug!

Auf dem Weg zum Busbahnhof drückt mir jemand einen Flyer in die Hand: „Plaid Cymru – Partei von Wales: Eine starke Stimme gegen den Brexit!“ Der Brexit ist eine historische Katastrophe – umso mehr ohne Deal! sagt der Mann. Good luck! rufe ich und laufe ohne Umwege zur Haltestelle. Die Stimmung ist in Wales umgeschlagen, seit hier die Konservativen im Sommer Nachwahlen verloren haben. Immer mehr Waliser sind nun für „Remain“!

Was er vom Brexit halte, frage ich den Busfahrer und halte ihm den Flyer hin. Er habe für „Leave“ gestimmt wie die meisten in Wales 2016, sagt er ein wenig verschämt. Good man! ruft ein Typ in Unterhemd und Jeans, einer meiner Reisegefährten, dessen Alkoholfahne den Bus eindünstet. Es ist elf Uhr morgens und dieser Mann scheint alle gängigen Klischées zu bestätigen: Die Remainers sind gebildet und urban, die Leavers doofe Landeier. Über 40 Prozent der walisischen Farmer werden nicht von Her Majesty’s Government unterstützt, sondern von der EU, sage ich. (Wem sage ich das, da doch die Waliser traditionell nichts von HMG halten und vice versa?) Die EU unterstützt die BBC und die Zeitungen! ruft er. Ich sage nicht, dass das gequirlte Scheiße ist, weil man

  1. auf Englisch nicht fluchen sollte und
  2. der Typ gewaltbereit wirkt.

Seit zwei Tagen heißt es, Boris Johnson und Leo Varadkar hätten eine Lösung für die irische Grenzproblematik gefunden, die Grundlage für einen Deal wäre. Aber kein Mensch weiß, wovon eigentlich die Rede ist. Details haben die Politiker nicht offenbart. Ist es nun ein Deal oder ein umso größerer Bluff? fragt Sophy Ridge in ihrem Kommentar im Bus-Tabloid „Metro“. Und sie gibt sich selbst die Antwort, die ich auf meiner Reise durch England und Wales so oft gehört habe: „We simply don’t know.“