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#Brexit-Britain, 7: Trust, Religion and Thinking Skills

Es gibt einen riesigen Vertrauensverlust in diesem Land, sagt John, mein Gastgeber in Cambridge. Niemand weiß, wem er was glauben soll. Nur eins dürfte nun hoffentlich klar sein: Boris Johnson fährt das Land gegen die Wand. Siddo, mein Gastgeber in Oxford, findet, Brexit sei eine Art Religion geworden, all das habe nichts mit Realpolitik zu tun und auch nichts mit Fair Play. Dass Johnson ein notorischer Lügner sei, habe sich schon in seiner Zeit als Journalist erwiesen. Und natürlich lüge er auch jetzt, wenn er so tue, als ließe ihm die EU keine andere Wahl als No-Deal. Wir sitzen die halbe Nacht vor dem Fernseher, denn die Situation scheint sich zuzuspitzen – sowohl in Brüssel als auch in London. Höhepunkt des Abends ist ein Gespräch zwischen der BBC und EU-Präsident David Sassoli, der heute Gast in 10 Downing Street war. Boris Johnson hat sofort und mehrmals gesagt, dass er die UK am 31. Oktober aus der EU führen wird – mit oder ohne Deal, sagt David Sassoli. Aber das wäre doch gegen den Benn Act, somit rechtswidrig? Sassoli wiederholt seine Worte. Können Sie Boris Johnson als Politiker ernst nehmen? Er ist der britische Premierminister und verantwortlich für das Wohl von Millionen von Menschen, sagt Sassoli. Glauben Sie, dass Boris Johnson an einem Deal interessiert ist? Sassoli wiederholt seine Worte. Sind Sie wütend oder enttäuscht? Ich bin sehr besorgt, sagt Sassoli, um das Wohl von Millionen von Menschen. In Oxbridge ist das Bewußtsein für historische Gemengelagen stärker als irgendwo in Großbritannien. Hier setzt man seit Jahrhunderten auf ein Phänomen, das Revolution, Reformation und der Pest widerstanden hat: Thinking skills. Die Denkfähigkeit des Menschen. Vertrauen wir darauf, beten wir darum, dass man sich sobald wie möglich im ganzen Königreich darauf besinnt.