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Edition Nautilus, Hamburg 2006, geb., 128 S., Abb.
Im Debüt der Berliner Autorin Elke Heinemann dreht sich zwar
alles um die Liebe, statt weich gezeichneter Romantik verbirgt
sich hinter dem Etikett aber eine böse Geschlechter- und Gesellschaftssatire.
Der Tagesspiegel, 05.04.07
Frauen, die in einem Roman nach Frauenzeitschriften benannt sind,
verfügen über keine Identität, weil sie Zeichen
sein müssen. Sie stehen für vorformulierte Frauenhaltungen.
Es steht ihnen nicht zu, "ich" zu sagen, weil sie die
Masse der zugerichteten Frauen schlechthin vertreten müssen.
Wunder finden nicht statt bei Heinemann. Aber das Wunderbare an
ihrem Roman ist, wie sie scharf ironisch Kunstfiguren, zusammengesetzt
aus dem statistischen Durchschnitt, gegeneinander antreten lässt.
Dabei kommen weder Sozialwissenschaften noch Trivialmythen gut
weg. Beide sind Instanzen, die über Frauen verfügen,
weil sie großsprecherisch das letzte Wort über sie haben
wollen. Nie geht es um den Menschen, aber immer um eine Idee vom
Menschen, unter die sie sich zu beugen haben.
Anton Thuswaldner, Volltext. Zeitung für Literatur,
6/Dezember-Januar 2006
Emma, Marie-Claire, Petra und Brigitte - vier Frauen sind auf
der wahnwitzigen Suche nach dem ultimativen Glücksbringer
und Kindeserzeuger. Bert heißt das Objekt vierfacher Begierde.
Eine Geschichte, die erotische Kllischees gnadenlos vorführt,
sehr komisch, sehr böse.
Berliner Morgenpost, 11.10.06
Einen tollen Roman hat Elke Heinemann da geschrieben, in dem sich
Platitüden zur Geschlechterfrage und ein vollkommen wahnwitziger
Plot gegenseitig die Köpfe einschlagen. Außerdem hat
man selten lustigere Sexszenen gelesen. Wenn die halbe westliche
Welt aufgrund Außen- und Innendruck und fernsehtechnischer
Totalverblödung an der Liebe und sich selbst scheitert, dann
kann auch eine Elke Heinemann noch mal was ordentlich Zynisches
dazu anmerken. Beim Haß ist Elfriede Jelinek natürlich
ganz weit vorn, aber Heinemann ist definitiv lässiger, durchgeknallter,
lustiger.
Susan Geißler, junge Welt, 04.10.06
"Frauen, die pfeifen" heißt der neue Roman der
englischen Schriftstellerin Antonia S. Byatt. Sein deutsches Motto
steht auch als Leitsatz über dieser Ausgabe von "Gutenbergs
Welt": "Frauen, die pfeifen, und Hühnern, die krähen,
denen soll man beizeiten die Hälse umdrehen". Diese volkstümliche
Bosheit hat ihre Beschreibungskraft für den Zustand der weiblichen
Welt bis jetzt keineswegs eingebüßt. Das weiß auch
die Hauptfigur aus "Entfernung", dem neuen Roman von
Marlene Streeruwitz. Selma (49) hat gerade ihren Mann an eine andere
Frau und ihre gut dotierte Arbeit als Chefdramaturgin bei den Wiener
Festwochen verloren. Während Selma versucht, gegen den sozialen
Abstieg zu kämpfen, wollen Brigitte und Petra, Emma und Marie-Claire
vor allem den tollen Bert. Deren Geschichte erzählt Elke Heinemann
in dem satirischen Liebesroman "Der Spielplan".
Imke Wallefeld, Westdeutscher Rundfunk 3 - Gutenbergs Welt, 24.09.06
(Darin Gespräche mit Marlene Streeruwitz über "Entfernung" und
mit Elke Heinemann über "Der Spielplan. Ein Liebesroman".)
Ihr kleiner, eigenwilliger Roman ist, obschon ästhetisch
und intellektuell anspruchsvoll, boshaft und hochkomisch. Elke
Heinemann verzichtet auf jedes Angebot zu schwelgerisch-einfühlender
Lektüre und führt stattdessen mit beißender Ironie
die Klischees vor, welche die Handlungen ihrer Figuren steuern:
Es sind hauptsächlich zwei Mittel, mit denen sie das erreicht.
Zum einen schiebt sie ihre Figuren wie auf dem Schachbrett hin
und her. Auf- und Abtritte werden grundsätzlich von der Autorin,
und zwar ohne handlungsimmanente Vorwände, arrangiert und
kommentiert. Zum anderen verwendet sie ein hochartifizielle Sprache
voller Versatzstücke, deren scheinbar umständliche Wiederholung
den Klischees ihre Geläufigkeit, ihre Eingängigkeit nimmt
und zugleich dem Roman seinen Rhythmus gibt. Der Roman mündet
so in eine fingierte Endlosschleife, in welcher seine beiden großen
Themen, die Reproduktion der Sprache im Klischee und die Reproduktion
der Körper, enggeführt werden.
Gernot Krämer, Deutschlandfunk - Büchermarkt, 13.09.06
(Darin Gespräch mit Elke Heinemann über "Der Spielplan.
Ein Liebesroman".)
Der Untertitel verheißt einen "Liebesroman", was
dann ebenso genussvoll wie gnadenlos seziert wird. Elke Heinemanns
Roman inszeniert ein Planspiel, in dem ein Mann, Bert, sowie vier
Frauen (Brigitte und Petra, in den 20ern, Emma und Marie-Claire,
Akademikerinnen und gestandene Frauen in ihren 40ern) an der Liebes-Beziehungs-Sexfront
agieren, sich aus- und aneinander abreagieren. Dabei lässt
die Autorin von Anfang an keinen Zweifel aufkommen, dass es sich
um eine Konstruktion handelt. Es geht um Typen, deren Verhaltensweisen
und Denkformen auf der "Probebühne" (Dieter Wellershoff)
der Literatur ausgestellt werden. Elke Heinemann möchte Mythen
zerlegen - insbesondere jene Mythen, dessen wohl langlebigste Erscheinung
die romantisch-bürgerliche Verklärung der Liebe ist,
genauer noch: die heilige Allianz aus Liebe, Lust, Leidenschaft
und Sexualität (möglichst lebenslang mit immer demselben
Partner).
Werner Jung, Neues Deutschland, 31.08.06
Ein Roman ist eine Literaturform der Anmaßung. Er unternimmt
alle Anstrengungen, dem Leser einzureden, wie es um die Menschen
bestellt ist. Ein Roman hat immer Recht, weil er die Welt, von
der er erzählt, erst schafft. Er schickt Figuren auf den Weg,
von denen jeder Leser sich vorstellen kann, dass sie ihm jederzeit
begegnen könnten. Ein Romanheld verkörpert die ungelebten
Leben der Leser. Bei der Berlinerin Elke Heinemann ist alles anders.
Sie konfrontiert uns nicht mit Figuren, die den Anspruch erheben,
wie Menschen aus Fleisch und Blut zu agieren. Ihre Figuren sind
Kunstgestalten, stürzen nicht in Situationen, wie sie das
Leben schreibt, sondern die tägliche Fernsehserie. Heinemann
interessiert nicht besonders, in welcher Welt wir uns befinden,
sondern welche Welt wir uns erfinden. Sie kennt die trivialen Sagen
des schlechten Geschmacks, wie sie durch Fernsehen und Zeitschriften
verfestigt werden. Und sie beherrscht den Jargon der Sozialwissenschaften,
eignet sich deren System, Gesellschaft zu analysieren an, um daraus
einen Roman zu schlagen, dem momentan nichts Vergleichbares an
die Seite zu stellen ist.
Anton Thuswaldner, Salzburger Nachrichten, 12.08.06
Das neue Buch der deutschen Autorin Elke Heinemann erinnert an
die heftigen Tiraden von Elfriede Jelinek gegen männliche
Unterdrückung und weibliche Selbstkasteiung, aber mit dem
Unterschied, dass Heinemanns Kritik humorvoller, selbstkritischer
und nuancenreicher ankommt.
Bruno Lässer, Vorarlberger Nachrichten, 05./06.08.06
Darf man das, was Elke Heinemann da in "Der Spielplan" ihren
Leserinnen zumutet? Ja, denn erlaubt ist ästhetisch-poetisch
alles, was in der Wirklichkeit nach künstlerischer Befragung
und Verschärfung verlangt. Hat man sich einmal darauf eingestellt,
einen Meta-Text vor sich zu haben, der an die frühen Romane
von Gisela Elsner und besonders an Elfriede Jelineks Texte der
70er ("Die Liebhaberinnen") erinnert, mag man Vergnügen
an manch bitterböser Formulierung oder den messerscharfen,
sprachspielerischen Reflexionen finden. Auch die Schelte des (privaten)
Fernsehens und seiner ideologischen Strategien ist treffend.
Werner Jung, Stadtrevue Köln, 7/2006
Wer bei Liebesromanen die Augen verdreht und Frauenzeitschriften
nur heimlich beim Zahnarzt durchblättert, für den ist
Elke Heinemanns Debüt "Der Spielplan" genau das
Richtige. Er ist Liebes- und Antiliebesroman in einem, eine bitterböse
und witzig-intelligente Satire auf das Leben im Zeitalter von Fernsehfrauentausch,
virtuellen Liebesaffären, Patchwork-Familien und geklonten
Wunschkindern. So banal Liebesgeschichten sind, so banal und unspektakulär
ist auch die hier erzählte Geschichte. Das Wunderbare liegt
allein in der Art und Weise, wie sie erzählt wird. Überaus
einfallsreich ist Elke Heinemann im Erfinden neuer Begriffe für
immer gleiche Sachen, wie die seit Jahrtausenden ähnlich praktizierten
Sexualpraktiken. Nicht zuletzt darin erinnert der Stil der 1961
in Essen geborenen Autorin an Reneé Pollesch; Beim Lesen
des Romans fällt man automatisch in Sound und Rhythmus seiner
im Theater seriell vorgeführten Turbokapitalismuskritik. Hier
wie dort geht es um Liebe zu Zeiten des Medienkapitalismus. Ebenfalls
auf der sprachlichen Ebene, aber auch eng mit der äußeren
Form verbundenen Aufdecken des Piefigen und Spießigen im
so zukunftweisenden Hier und Jetzt erinnert Elke Heinemann an die
unnachahmliche Sprachwut Elfriede Jelineks.
Astrid Hackel, goon. Das Magazin für Gegenwartskultur,
24.06.06
In jelinekscher Verzwirbelung führt die deklamatorische Prosa
der mit mehreren Preisen und Stipendien ausgezeichneten Autorin
Fühl- und Verhaltensklischees der Liebe und ihrer Protagonisten
vor, Satz für Satz pure Kompression zum Auf-der-Zunge-zergehen-lassen.
Höchst vergnüglich für ein eingeweihtes Publikum,
irritierend für den wohl größeren Rest.
Heidrun Küster, ekz-Informationsdienst, 5/2006
Dieses Buch ist kein schnöder Liebesroman.
Teresa Schomburg, zitty, 5/2006
Kunstvoll in eine sehr konstruierte, spröde Form gebracht,
beschreibt Elke Heinemann in ihrem satirischen Roman "Der
Spielplan" die wahnsinnigen Wege, die eine vermeintliche Liebe
gehen kann und beweist schlagkräftig, dass Männer und
Frauen nicht nur unterschiedliche Toiletten benutzen, sondern auch
ganz und gar verschiedene Menschen sind. Dem Untertitel des Buches, "Ein
Liebesroman", sollte man keinesfalls Vertrauen schenken, denn
weder dem Erzählton, noch der genial konfus zwischen Fernsehshows
und Frauenzeitschriften oszillierenden Handlung haftet auch nur
ansatzweise Romantisches an.
Kieler Nachrichten, 31.05.06
Die Damen heißen nach Frauenzeitschriften. Und was Elke
Heinemann mit ihnen inszeniert, ist ein Diskursroman. Heinemann
stellt ihre absichtsvollen Pappkameraden auf ein Sprach-Spielfeld
voller Denk- und Sprechklischees aus der Medien-Gender-Sprachkritik
und rutscht zur höheren Erkenntnis und noch höheren Erheiterung
solange darauf herum, bis sich alle, inklusive der Klischees ausgiebig
lächerlich gemacht haben.
Elmar Krekeler, DIE WELT, 22.04.06
Heinemanns Schreibstil ist gewand und anstrengend zugleich. Aber
die Lektüre lohnt auf jeden Fall.
Julia Maisenbacher, Jungle-World, 05.04.06
Die Autorin zappt sich unermüdlich mit beißendem Spott
und enormer Schnittfrequenz durch alle Niederungen der sprachlichen
Vermittlung von Geschlechterdifferenzen, von Talk- und Quizshows über
Frauenmagazine und Selbsthilfekurse bis zu Sissy-Filmen und natürlich
Liebesromanen. Heinemann lässt nicht nur die derzeit gängige
waschlappige Vornamenliteratur deutscher Jungautorinnen deutlich
hinter sich, sondern macht sie gleich mit zum Teil der Satire.
Sebastian Domsch, Die Tageszeitung, 25./26.03.06
In ihrem Buch verlangen vier Frauen einen Mann: "Der Spielplan" -
ein Liebesroman?
Andreas Spiegel, MDR/Fernsehen, Leipziger Buchmesse 2006, 17.03.06
Elke Heinemanns "Spielplan" wurde schon vor Erscheinen
mehrfach ausgezeichnet. Zu Recht. Mit sicherer Hand bewegt die
Autorin ihre Figuren wie im Kasperltheater durch diese Versuchsanordnung
eines Liebesromans, der eigentlich ein Fortpflanzungsroman ist,
denn die Liebe fehlt mal wieder - eine wortwahnwitzige Verulkung
von Geschlechterkampf, Kinderwunsch und Fernsehshow.
Facts. Das Schweizer Nachrichtenmagazin, 02.03.06
Der Roman gleicht einer Versuchsanordnung: Vier Frauen, ein Mann.
Der Mann ist Redakteur einer Theaterzeitschrift, die so heißt
wie der Roman heißt: Der Spielplan. Die Frauen sind 2 x 20
bzw. 2 x 40 Jahre alt und heißen: Brigitte, Petra, Marie-Claire
und Emma. Ersonnen hat diese Versuchsanordnung die aus Essen stammende,
heute in Berlin lebende Schriftstellerin Elke Heinemann, und herausgekommen
ist einer der originellsten Romane der letzten Zeit, boshaft und
komisch bis zum Abwinken.
Gernot Krämer, Literatur in Essen, März/April
2006
Wäre Elke Heinemanns "Liebesroman" nur die witzige
Zeitungs-, Fernseh- und Universitätssatire, die er auch ist,
hätte die 1961 geborene Autorin Sprachwitz, Denkschärfe
und Bildung verschenkt. Heinemann zeigt am Beispiel des flüchtigen
Mistes aber das überzeitliche Geschlechterdrama. Wenn sie
sich auf Roland Barthes, Walter Benjamin usw. beruft, zeigt das
ihr Rüstzeug und ihr Niveau.
Michael Schweitzer, Kommune/Literatur Extra, 3/2006
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