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Kategorie: Blog

#Brexit-Britain, 5: The Lost World

Dunwich ist ein unscheinbares Dörfchen in East Anglia, ein kleiner Häuserhaufen an der Küste von Suffolk. Kaum zu glauben, dass hier einst eine der wichtigsten Hafenstädte Englands stand. Im 13. Jahrhundert wurde sie komplett vom Meer verschluckt. So wie Doggerland vor rund 8000 Jahren, das bis dahin England mit Kontinentaleuropa verbunden hatte. We love Europe! rief Johnson vor ein paar Tagen Manchester, was man ihm glauben mag oder nicht. Dass der im Zeichen des Klimawandels anschwellende Meeresspiegel die Erosion der englischen Ostküste beschleunigt, könnte man jedenfalls metaphorisch deuten. In Happisburgh, wo man 800.000 Jahre alte hominide Fußspuren gefunden hat, sind bereits mehrere Häuser zusammengebrochen. Ist Boris der Sendbote höherer Mächte? Wird der britischen Inselstaat bald absaufen? Dunwich zumindest ist schon seit langem eher ein Ort der Fiktion denn der Historie.

#Brexit-Britan, 4:

„Die Weisheit von heute ist der Unsinn von morgen“, sagte kürzlich ein englischer Journalist. Und der Unsinn von gestern oder vorgestern führt nicht zur Weisheit von morgen oder übermorgen. Vorgestern wollte Boris J. sein Land um jeden Preis zum 31. Oktober von der EU losschlagen. Gestern fantasierte er über eine neue parlamentarische Zwangspause. Heute hieß es, er würde die EU um Fristverlängerung bitten, aber das hat er sofort dementiert. Hin und her geht es, und die Briten drehen die Köpfe wie die Zuschauer eines Tennisspiels. Von der englischen Ostküste aus ist man schneller in Amsterdam als in London. Europa ist so nah und vielleicht doch bald so fern. I don’t know. Das höre ich immer wieder in den Pubs der Küstenorte. Als hätten sie sich schon längst aufgegeben, diese Menschen hier. Als gäbe es sie gar nicht mehr.

#Brexit-Britain 3: No Future/The Next Generation

19 war ich zu Beginn meines Studiums wie Kathy, die an der University of East Anglia in NorwichThemengruppen organisiert. UEA ist eine Reformuniversität, ist anders als die traditionsreichen Colleges in Cambridge und Oxford, wo einst Boris Johnson sein Old-Boys-Network formte. Den Student*innen an der UEA geht es nicht um Macht, sondern um Mülltrennung. Und das in einem Land, in dem es massenweise all you can eat in Plastik eingeschweißt gibt. Unsere Zukunft ist schon durch den Klimawandel bedroht, sagt Kathy, Boris Johnson gibt uns den Rest. Wie wär’s mit einer Demo? frage ich und zitiere den DDR-Slogan „Wir sind das Volk!“ Keine Chance, sagt Kathy, die Polizei greift sofort ein. Ich erinnere sie an George Orwells Roman „1984“. Und sage: Ihr müsst etwas tun, Kathy!

#Brexit-Britain 2: Boris Johnson dreht den Spieß um

Boris Johnson dreht den Spieß um: Die Schuld an einem No-Deal-Brexit trägt die EU. Ist sie doch unfähig, seinen guten Willen zu erkennen. Dass der Brexit keine Idee der EU ist, dass Johnson auch jetzt keinen realistischen Kompromiß anbietet – who cares? Wer bitte hält Baby J. endlich davon ab, sein Land zu zerlegen? Achselzucken allüberall, auch auf der Zugreise von London nach Norwich

#Besuch in Brexit-Britain, 1

Let’s get Brexit done! Boris Johnsons Mantra auf dem Tory-Parteitag in Manchester am heutigen 2. Oktober 2019, nüchtern, unaufgeregt vorgetragen, als ginge es darum, den Müll wegzutragen, damit man sich endlich wichtigen Aufgaben widmen kann. Ich bin unterwegs in Brexit-Britain, seit drei Tagen in London, nahe Brick Lane. Ich frage Nachbarn, Verkäufer, Passanten, was sie von dem Ganzen halten. Alle sagen: I don’t know. Meine britischen Freunde finden keine Worte mehr. „Wir sind gezwungen, uns aufs Reagieren zu beschränken“, sagt der deutsche Literaturwissenschaftler Rüdiger Görner, der seit 35 Jahren in London lebt. „Brexismus“ nennt er die rückwärtsgewandte Sehnsucht nach Britanniens Weltmacht, die Johnson & Co. umtreibt. Ratlosigkeit in London. Sprachlosigkeit in London. Morgen mehr aus Norfolk und Suffolk.

#Meret Oppenheim als Freie Radikale

WDR 3 wiederholt mein literarisches Feature über Meret Oppenheim in der Sommerreihe „Freie Radikale“ über feministische Künstlerinnen am Samstag, 24.8., um 12:04 Uhr, und am Sonntag, 25. 8. um 15:04
 
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#die horen 274

Im aktuellen Heft der Literaturzeitschrift die horen ist meine Poetologie in Kürze erschienen und mein Kommentar zu Peter Wawerzineks Umfrage unter Schriftstellerinnen und Schriftstellern, ob man Musik beim Schreiben hören mag – „ich mag es heimlichstillundleise!“